Der Tod



Ein Geschmack, von dem kein Mensch verschont wird

Der Tod ist ein sicheres Ereignis, welches jedem Menschen  begegnen und seinen bitteren Geschmack kosten wird. Jeder Moment bringt uns näher zu ihm, wie Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt:

 

Jede Seele wird den Tod kosten, und euch wird euer Lohn am Tag der Auferstehung vollständig gegeben; und wer da vom Feuer ferngehalten und ins Paradies geführt wird, der soll glücklich sein. Und das irdische Leben ist nichts als ein trügerischer Nießbrauch. (3:185)

 

Kein Mensch wird von der Drangsal des Todes verschont werden  –  nicht einmal die Propheten und Gesandten. Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt zu Seinem Gesandten – Friede und Segen
seien auf ihm:

 

Wir gewährten keinem Menschenwesen vor dir das ewige Leben. Als ob sie es wären, die ewig leben könnten, wenn du gestorben wärst! Jede Seele wird den Tod kosten; und Wir stellen euch mit Bösem und mit Gutem auf die Probe; und zu Uns werdet ihr zurückgebracht. (21:34-35)

 

A’ischa – Allahs Wohlgefallen auf ihr  – berichtete, dass bei seiner letzten Krankheit der Gesandte Allahs –
Friede und Segen seien auf ihm  – in seiner Nähe eine Wasserkanne hatte. Er tauchte seine Hand in das
Wasser, bestrich sein Gesicht damit und sagte: „La ilaha illa Allah. Wahrlich, der Tod ist Benommenheit.“

 

Nachdem er dies einige Male wiederholt hatte, streckte er seine Hand aus und sagte:
„O  Allah!  Vergib  mir, sei barmherzig mit mir und lass mich der  höchsten  Gesellschaft  (im  Paradies) beitreten.“

 

Der Geschmack des Todeskampfes braucht eine lange Zeit, um zu schwinden, selbst für rechtschaffene
Menschen. Dschabir – Allahs Wohlgefallen auf ihm  – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Friede und
Segen seien auf ihm – sagte:
„Berichtet über die Kinder Israels, da ihnen erstaunliche Dinge geschehen sind.“

Dann berichtete er – Friede und Segen seien auf ihm:
„Eine (rechtschaffene) Gruppe der Kinder Israels ging zu einem ihrer Friedhöfe. Sie sagten: „Lasst uns zwei
Rak’at beten und dann Allah – der Gewaltige und Majestätische – darum bitten, für uns einen Mann von
den  Toten  zu  erwecken,  damit  wir  ihn  über  den  Tod  befragen  können.“  Sie  taten  dies   und   nach   einer kurzen Weile hob ein Mann von den Gräbern seinen Kopf. Er war braun, mit den Zeichen des Sudschud zwischen seinen Augen. Er sagte: „O Menschen! Was  wollt ihr von mir? Ich bin vor einhundert Jahren  gestorben   und   der  Todesvorgang  hatte   bis   eben   gerade   noch   nicht   nachgelassen.   Betet   zu   Allah  –  der Gewaltige und Majestätische – für mich, dass Er mich wieder zurückführt wie ich war (tot).“

 

 

Kein Entrinnen vor dem Tod

Zu unserer festgesetzten Zeit wird uns der Tod erreichen, egal wo wir sind.
Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt:

 

Wo auch immer ihr seid, der Tod ereilt euch doch, und wäret ihr in hohen Burgen. (4:78)


Selbst wenn wir versuchen vom Tod wegzulaufen, wird er uns genau frontal treffen.
Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt:

 

Sprich: ""Der Tod, vor dem ihr flieht, wird euch sicher ereilen. Dann werdet ihr zu Dem zurückgebracht werden, Der es kennt, das Verborgene und das Sichtbare; und Er wird euch verkünden, was ihr zu tun pflegtet." (62:8)


Zu dem Zeitpunkt, den Allah für unseren Tod festgelegt hat, kann niemand unsere Seele daran hindern,
unseren Körper zu verlassen:

 

Warum wohl, wenn (die Seele des Sterbenden) zur Kehle steigt und ihr in jenem Augenblick zuschaut? Und Wir sind ihm näher als ihr, nur daß ihr es nicht seht. Warum wohl, wenn ihr nicht zur Rechenschaft gezogen werden sollt? Zwingt ihr sie doch zurück (in den Leib), wenn ihr wahrhaftig seid? (56:83-87)

 

Vorbereitung auf das Ende

Ablenkungen des weltlichen Lebens

Sind wir für diesen bestimmten Tag vorbereitet? Beschäftigen wir uns damit, uns darauf vorzubereiten, wie
wir es für   eine  unvermeidbare  Reise oder bei  einer auftretenden Prüfung tun  würden?  Oder   sind wir  zu sehr von unseren weltlichen Vergnügen gefesselt?
Allah sagt:

 

O ihr, die ihr glaubt, lasset euch durch euer Vermögen und eure Kinder nicht vom Gedenken an Allah abhalten. Und wer das tut - das sind die Verlierenden. "Und spendet von dem, was Wir euch gegeben haben, bevor einen von euch der Tod ereilt und er sagt: "Mein Herr! Wenn Du mir nur Aufschub für eine kurze Frist gewähren würdest, dann würde ich Almosen geben und einer der Rechtschaffenen sein." Und nie wird Allah jemandem Aufschub gewähren, wenn seine Frist um ist; und Allah ist dessen wohl kundig, was ihr tut. (63:9-11)

 

Ruhe im Tod?

Werden wir Ruhe darin finden, wenn der Tod uns übermannt, oder werden die Anderen Ruhe vor uns
finden, wenn wir (diese Welt und sie) verlassen? Abu Qatadah Ibn Rab’i – Allahs Wohlgefallen auf ihm  –
berichtete, dass eine Dschanaza an dem Gesandten Allahs  – Friede und Segen seien auf ihm – vorbeiging
und er  sagte: „(Er  hat)  Ruhe bekommen, oder andere  haben ihre  Ruhe  vor  ihm bekommen.“ Er wurde gefragt: „Was meinst du mit „Ruhe bekommen oder Ruhe vor ihm“?“ Er antwortete:
„Ein gläubiger Diener ruht sich  von den Sorgen  dieses  Lebens   aus.  Doch bei einem   schlechten  Diener,
erholen sich die Menschen, das Land, die Bäume und die Tiere von ihm.“

 

Bereit für den Tod?

Einige Menschen behaupten, dass sie sich den Tod wünschen und für ihn bereit sind. Doch ist dies eine
ehrliche Behauptung und können sie ihre Behauptung aufrechterhalten, wenn der Tod sie ereilt? Allah –
der Gewaltige  und Majestätische  – tadelt  denjenigen  aus der Vergangenheit,  der  solch eine  Behauptung
machte, indem Er sagt:

 

Und ihr wünschtet doch euch den Tod, bevor ihr ihm begegnetet. Nun sahet ihr ihn mit eigenen Augen. (3:143)

 

Dies deutet mit Sicherheit auf einen Mangel an  Iman  an Allah und Seine Versprechen hin. Ein wahrer
Gläubiger ist für Allah, für jede Art von Prüfung bereit, welche ihn heimsuchen könnte – nicht so wie jene,
welche Allah – der Gewaltige und Majestätische – folgendermaßen beschreibt:

 

"Und unter den Menschen sind manche, die sagen: "Wir glauben an Allah", doch wenn sie für Allahs Sache Ungemach erleiden müssen, so betrachten sie die Anfeindung von Menschen als der Strafe Allahs gleich. Kommt aber Hilfe von deinem Herrn, dann sagen sie gewiß: "Wahrlich, wir waren mit euch." Ist es nicht Allah, Der am besten weiß, was in den Herzen aller Geschöpfe ist?" (29:10)

 

Wichtige Fürsorgen aus diesem Leben

Lasset uns dann aufrichtig und wahrhaftig mit uns selbst sein. Dieses Leben ist nur eine Prüfung. So lasset
es uns mit diesem Wissen leben und davon nehmen, was wir für das nächste Leben brauchen. Allah  – der
Gewaltige und Majestätische – sagt:

 

(Er,) Der den Tod erschaffen hat und das Leben, auf daß Er euch prüfe, wer von euch die besseren Taten verrichte; und Er ist der Erhabene, der Allvergebende. (67:2)

 

Häufige Erinnerung an den Tod

 

Daher sollte der Tod für uns eine ständige Erinnerung sein und ein Mittel zur Kontrolle unserer Gelüste
und zur Zügelung unserer Gier. Anas und Abu Hurairah – Allahs Wohlgefallen auf ihnen  – berichteten,
dass der Gesandte Allahs – Friede und Segen seien auf ihm – sagte:
„Erinnert  euch  oft  an  den  Tod  –  den   Zerstörer   des   Vergnügens. Niemand  wird  sich daran   erinnern, während er sich in einer Enge des Lebens befindet, ohne dass es sich für ihn ausweiten wird und niemand wird sich daran erinnern, während er sich in einer Erleichterung des Lebens findet, ohne da ss es sich für ihn verengen wird.“

Sich an den Tod zu erinnern hält für eine Person eine ausgeglichene Lebensauffassung aufrecht. Er wird
aufgrund von Drangsal keiner extremen Verzweiflung verfallen, noch wird er aufgrund eines behaglichen
Lebens der Arroganz und Unachtsamkeit verfallen.

 

Darüber hinaus ist es für eine Person eher möglich eine Tat (der Anbetung) zu perfektionieren, wenn  sie
bei der Verrichtung diese Ibada (Taten der Anbetung) an den Tod denkt. Anas – Allahs Wohlgefallen auf
ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Friede und Segen seien auf ihm – sagte:
„Denkt in eurem Gebet an den Tod. Wahrlich, wenn man im Gebet an den Tod denkt, wird man eher
dazu   neigen,  sein   Gebet   zu   perfektionieren. Betet das Gebet eines Mannes,   welcher   nicht   erwartet ein anderes Gebet zu verrichten. Und vermeidet jegliche Angelegenheit, die einer Entschuldigung bedarf.“

 

Hütet euch vor ihren Wegen

Da der Tod für alle Menschen ein alltäglicher Faktor ist, sind Bestattungspraktiken und Vorgänge in allen
Kulturen  gegenwärtig. Viele dieser   Praktiken wurden  von Menschen erfunden,  die  Allah  nicht  fürchten,
sich   nicht   darum   sorgen, was   Ihn   zufrieden   oder   zornig   macht,   oder   ihre   Praktiken   von   falschen  oder abgeirrten Religionen ableiten.

Wie bereits von dem Gesandten Allahs  – Friede und Segen seien auf ihm – erwähnt, haben viele Muslime
den   Hang,   den  Fußstapfen  anderer  Nationen   zu  folgen,   selbst   wenn   dies   zu   einer   sicheren   Zerstörung führt. Dies ist bei vielen Bestattungsbräuchen und Praktiken  sichtbar. Traurigerweise stellen wir fest, dass anstatt an den Texten des Qurans und der Sunna festzuhalten, viele Muslime Praktiken von den Christen, Juden oder sogar Götzendienerkulturen importieren.
Auf    den   Seiten   dieses    Buches,  warnen    wir  manchmal vor  Praktiken,    die   eine   Nachahmung    der Nichtmuslime  beinhalten.     Jedoch    sollte  jeder   Muslim daran  arbeiten,  ein  Gefühl  der Identität, Einzigartigkeit und Ehre in Bezug auf den Islam zu entwickeln. Er sollte stets wachsam gegenüber jeder Tat sein, welche  von der Sunna abweicht  und  in  das   verbotene  Gebiet der   Nachahmung  der Nichtmuslime abirrt.

Die Unterschiede in den Bestattungsvorgängen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, auch wenn diese
auf praktischer Ebene sind, basieren mit Sicherheit auf tief verwurzelten Ansichten und glaubensbedingten
Unterschieden.   Was   ist   der  Sinn  eines   Bestattungsdienstes?   Im   Gegensatz   zu   dem,   was   wir   vorher in diesem Kapitel erwähnt haben und was über das ganze Buch hinweg stets betont wird, betrachtet, wie ein Nichtmuslim diese Frage beantwortet:

„Eine Bestattung bietet für die Hinterbliebenen einen Ort für Familie und Freunde, um sich zu sammeln  
und in Erinnerungen zu schwelgen. Eine Möglichkeit, das Leben und die Leistung einer geliebten Person
zu feiern. Eine Chance auf Wiedersehen zu sagen und der Punkt, an dem der Heilungsprozess beginnen
kann. Die Bestattung gibt zu erkennen, dass ein Leben gelebt wurde, nicht dass sich ein Todesfall ereignet
hat. Es ist ebenfalls wichtig, die Gemeinschaft darüber zu informieren, dass diese Person gestorben ist. Es
gibt Menschen außerhalb der Familie, welche ein Recht darauf haben, einem Todesfall nachzutrauern. Was
wäre zum Beispiel in den Vereinigten Staaten geschehen, wenn es keine Bestattung für Präsident John F.
Kennedy gegeben hätte?“

Seht ihr  in diesen (Worten) irgendeine Erwähnung  von  Allah  oder  dem Jenseits? Seht ihr irgendeinen
Hinweis   auf   Lektionen,  welche die Hinterbliebenen beachten könnten oder welche die  Art,  wie sie mit ihrem Leben umgehen, verbessern könnten? Wie kann diese Praktik der Nichtmuslime dann irgendetwas
Gutes beinhalten? Wir preisen wahrlich unseren Herrn Allah – der Gewaltige und Majestätische –, dass Er
barmherzig mit uns war und uns auf den geraden Pfad leitete.

 

Aufrichtigkeit in der Ausführung von Taten der Anbetung

Es gibt viele Taten der Anbetung,  in Bezug auf den Tod, welche in  diesem Buch erörtert werden. Wir
halten es für wichtig, einen wesentlichen Punkt  hervorzuheben, der auf alle von  ihnen zutrifft: Aufrichtigkeit. Für viele Menschen sind die meisten Bestattungsrituale eher Formalitäten, welche getan
werden müssen, um einen Freund zufrieden zu stellen oder um eine Gefälligkeit mit einem Angehörigen
auszutauschen. Diese Einstellung ist sehr gefährlich und  kann den Zorn und die Strafe Allahs zur Folge
haben.

Alle Taten der Anbetung, dazu gehören die Bestattungsrituale, müssen mit Aufrichtigkeit  und reiner
Absicht verrichtet und  einzig Allah gewidmet und mit ihnen Sein Wohlgefallen ersucht werden. Im Folgenden präsentieren wir eine kurze Zusammenfassung der islamischen Regeln diesbezüglich.

Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt:

 

Sprich: "Ich bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist offenbart worden, daß euer Gott ein Einziger Gott ist. Möge denn derjenige, der auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, gute Werke tun und keinen anderen einbeziehen in den Dienst an seinem Herrn." (18:110)

 

Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt:

 

Und doch war ihnen nichts anderes befohlen worden, als Allah treu in lauterem Glauben zu dienen und das Gebet zu verrichten und die Zakah zu entrichten. Und das ist die Religion der Geradlinigkeit. (98:5)

 

Umar – Allahs Wohlgefallen auf ihm  – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Friede und Segen seien auf
ihm – sagte:

„Die  Taten  sind  entsprechend  den  Absichten,  und  jedem  Menschen  (gebührt),  was  er   beabsichtigt   hat. Wer also seine Auswanderung um Allahs und Seines Gesandten willen unternahm, dessen Auswanderung war für Allah und Seinen Gesandten, und wer seine Auswanderung um der Welt willen unternahm, sie zu erlangen,   oder   wegen   einer   Frau,   sie   zu  heiraten,   dessen   Auswanderung   war   für   das,   dessentwegen   er
auswanderte.“

 

Ubayy Ibn Ka’b – Allahs Wohlgefallen auf ihm  – berichtete, dass der Prophet – Friede und Segen seien auf
ihm – sagte:

„Gebt dieser Umma (Nation)  die frohe Botschaft von Ehre, Vorherrschaft über die Länder, Sieg und
Überlegenheit  in der Religion. Jeder von  ihnen,  der die Taten des Jenseits für das weltliche Leben verrichtet, wird keinen Anteil am Jenseits haben.“

Abu Umamah  – Allahs Wohlgefallen auf ihm  – berichtete, dass ein Mann zum Propheten  – Friede und
Segen seien auf ihm  – kam und  ihn fragte: „Wenn ein  Mann geht und (auf dem Wege Allahs) kämpft,  
dabei die Belohnung sowie den Lob  (der Menschen) ersucht, was bekommt er?“ Er  – Friede und Segen
seien auf ihm  – antwortete: „Er bekommt gar nichts.“ Er wiederholte seine Frage dreimal und jedes Mal  
antwortete der Gesandte Allahs  – Friede und Segen seien auf ihm: „Er bekommt gar nichts.“ Dann sagte  
er:  „Wahrlich, Allah nimmt nur die Taten an,  welche  nur  für  Ihn und nur für Sein Angesicht getan werden.“

 

Abu Hurayrah  – Allahs Wohlgefallen auf ihm  – berichtete, dass der Gesandte Allahs  – Friede und Segen
seien auf ihm – sagte:

„Allah – der Gewaltige und Majestätische – sagt: „Unter den Partnern (welche sie Mir beigesellen) habe Ich  
den Schirk am wenigsten nötig (indem Taten für jemand anderen als Mich getan werden). Wer daher für
Mich eine Tat verrichtet, doch Mir andere beigesellt, so werde Ich sie ablehnen, und sie ist nur für
denjenigen gemacht worden, der Mir als Partner beigesellt wurde.“

 

Quelle: Der Tod und seine Lehren von Dr. Muhammad al-Jibaly