Die Merkmale des Glaubens!



Jeder von uns wünscht sich Glückseligkeit und sucht diese. Einige sehen diese Glückseligkeit eventuell im großen Vermögen, im Ruhm oder in der Macht. Bilâl  möge Allah mit ihm zufrieden sein sah diese jedoch im Glauben an Allâh, als er die Worte "Ahad, Ahad" (Allâh ist der Eine, Allâh ist der Eine) wiederholte, während er zur Mittagshitze auf dem glühenden Sand Makkas in der heißen Wüste lag und die Polytheisten auf seine Brust einen großen Stein gelegt hatten. Er hielt seinen Atem zurück, damit ihm nicht die Luft ausging. Ibn Taimîya  Allah   erbarme sich seiner sah diese Glückseligkeit, indem er sagte: „Was können mir meine Feinde tun? Mein Paradies liegt in meiner Brust, sie können es mir nicht entreißen. Verbannen sie mich, ist mir meine Verbannung eine Auswanderung. Verhaften sie mich, ist mir meine Haft Zurückgezogenheit (mit Allâh). Und töten sie mich, gilt meine Tötung als Märtyrertum. In meiner Brust befinden sich das Offenbarungsbuch Allâhs und die Sunna Seines Gesandten.“

 

Der Glaube hat eine Süße inne, die nur kennt, wer diese einmal kosten konnte. Der Gesandte sagte in einem von Muslim überlieferten Hadîth: „Derjenige kostet den Geschmack des Glaubens, der allein mit Allâh als Herrn, dem Islâm als Religion und mit Muhammad als Propheten zufrieden ist.“ Der Prophet sagte ferner in einem von Al-Buchârî und Muslim überlieferten Hadîth: „Drei Eigenschaften, wer sie verinnerlicht hat, der hat die Süße des Glaubens gefunden: Wem Allâh und Sein Gesandter lieber sind als alles Andere, wer eine Person nur um Allâhs Willen liebt und wer es verabscheut, zum Leugnen des Islâm zurückzukehren, wie er es verabscheut, in die Hölle geworfen zu werden.“

 

Ein Rechtschaffener sagte über seine Feinde: "Wüssten sie um den Glauben in unserer Brust, kämpften sie gegen uns deswegen." Wer Freude im Diesseits anstrebt, der muss auf den Glauben zurückgreifen. Und wer das Jenseits anstrebt, der muss auf den Glauben zurückgreifen. Und wer Sicherheit anstrebt, der muss auf den Glauben zurückgreifen.

 

Ein arabischer Dichter sagte:

 

Sag dem, der die Glückseligkeit wünscht,
wusstest du, wer der Glückselige ist?
Die Glückseligkeit bedeutet wahrhaftig,
dass wir für den Gedanken der ererbten Wahrheit leben.
Für eine hochragende Überzeugung,
die der Blitze und des Donners spottet.

 

Was ist Îmân?

 

Linguistisch gesehen bedeutet Îmân Glaube. Diese Bedeutung ergibt sich aus der Geschichte von Josef  Frieden sei auf ihm . Als die Brüder von Josef zu ihrem Vater Jakob  Frieden sei auf ihm zurückgekehrt waren, nachdem sie Josef in den Brunnen geworfen hatten, sagten sie zu ihm: «Der Wolf hat Josef gefressen.» Sie brachten sein Hemd, das sie mit Blut befleckt hatten. Sie fühlten jedoch, dass er ihnen nicht glauben würde, und so sagten sie ihm: „Du glaubst uns wohl nicht, auch wenn wir die Wahrheit sagten!“ (Sûra 12:17). Der vollkommene Glaube ist der Glaube, der die Gewissheit des Herzens, die Anerkennung durch die Zunge und die Demut der Gliedmaßen beinhaltet. Auf Grund dessen umfasst der Glaube aus Sicht des Islâm die Worte und die Taten, nämlich die Worte des Herzens und der Zunge und die Taten des Herzens und der Gliedmaßen. Dieser Glaube hat besondere Merkmale, nämlich die folgenden:

 

1. Der Glaube ist eine Voraussetzung für die Annahme der Handlungen:

 

Der Gesandte zog zur Schlacht von Badr aus. Unterwegs schloss sich ihnen ein Mann an, der für Mut, Tapferkeit und Macht bekannt war. Die Gefährten des Gesandten Allâhs freuten sich, als sie ihn sahen. Der Mann näherte sich dem Gesandten und sagte zu ihm: »Ich bin gekommen, dir zu folgen und mit dir Beute zu machen.« Der Gesandte Allâhs fragte ihn: »Glaubst du an Allâh und Seinen Gesandten?« Der Mann erwiderte: »Nein!« Da sagte der Gesandte Allâhs: »Kehre zurück! Ich bitte keinen Polytheisten um Hilfe.« Der Mann blieb zurück. Nach einiger Zeit kehrte er zurück, schloss sich ihnen an und sagte dem Gesandten das, was er beim ersten Mal gesagt hatte und der Prophet fragte ihn, was er zuvor gefragt hatte. Da blieb der Mann wieder zurück. Später kehrte er zum dritten Mal zurück und schloss sich ihnen an. Er sagte, was er beim ersten Mal gesagte hatte und der Prophet fragte ihn erneut: »Glaubst du an Allâh und Seinen Gesandten?« Er antwortete: »Ja!« Da sagte ihm der Prophet: »So komm!« (Muslim).

 

Der Erhabene sagt: „Wer aber, sei es Mann oder Frau, etwas an rechtschaffenen Werken tut und dabei gläubig ist, jene werden ins Paradies kommen und es wird ihnen nicht ein Dattelkerngrübchen Unrecht zugefügt.“ (Sûra 4:124). Er sagt ferner: „Wer das Jenseits will und sich darum bemüht, wie es ihm zusteht, wobei er gläubig ist, - denen wird für ihr Bemühen gedankt.“ (Sûra 17:19).

 

2. Der Glaube ist kein Lippenbekenntnis:

 

Abdullâh ibn Ubaiy ibn Salûl, der Anführer der Heuchler, pflegte zum Gesandten zu kommen, ihn zu loben und vor ihm den Glauben an Allâh und Seinen Gesandten kundzutun. Verließ er ihn aber, kritisierte er den Gesandten und beschimpfte ihn. Er pflegte auch die Heuchler zu beauftragen, weder Allâh noch Seinem Gesandten Gehorsam zu leisten. Diese Heuchler gaben vor Muslime zu sein und dem Gesandten zu folgen, während sie das Islâm-Leugnen und die Feindschaft gegen Allâh und Seinen Gesandten verheimlichten. Allâh sagt über sie: „Die Heuchler sind wahrhaftig auf der untersten Stufe des Höllenfeuers, und nie wirst du für sie einen Helfer finden!“ (Sûra 4:145). Er sagt weiterhin über sie: „Wenn die Heuchler zu dir kommen, sagen sie: »Wir bezeugen, dass du wahrhaftig Allâhs Gesandter bist«. Allâh weiß, dass du wahrhaftig Sein Gesandter bist; doch Allâh bezeugt, dass die Heuchler wahrhaftig lügen.“ (Sûra 63:1).

 

 

3. Der Glaube motiviert zum rechtschaffenen Werk und mehrt dieses:

 

Der Glaube und das rechtschaffene Werk sind wie Zwillinge. Allâh erwähnt beide miteinander im ehrwürdigen Qurân 60 Mal. Genauso wie der Glaube durch das rechtschaffene Werk vollkommen wird, gilt das rechtschaffene Werk als ein Beweis für die Wahrhaftigkeit des Glaubens. Der Prophet sagte: „Wenn ihr einen Mann die Moschee regelmäßig aufsuchen seht, so bezeugt, dass er gläubig ist!“ (At-Tirmidhî).

 

Die Gefährten des Gesandten Allâhs sind in einem Umfeld der Ignoranz geboren, das nicht auf das Trinken von Alkoholika und Trunksucht verzichtete. Als aber die folgenden Worte Allâhs des Erhabenen herabgesandt wurden: „... Alkoholika und Losspiel und Götzenopfertische und Orakelpfeile sind ja nun nichts weiter als eine Scheußlichkeit vom Werk des Satans. So meidet es! Vielleicht seid ihr ja erfolgreich!“ (Sûra 5:90), und als Allâh der Hochmajestätische anordnete, damit aufzuhören, indem Er sagte: „So meidet es“ (Sûra 5:90), und sie dies hörten, warfen sie die Weingläser aus ihren Händen; manch einer hob gerade das Weinglas an die Lippen als die Anordnung Allâhs zum Aufhören damit zu ihnen kam, und warf das Glas weg, aus dem er Wein trinken wollte, weil er der Anweisung Allâhs des Erhabenen gehorchte und sich dieser fügte. Jeder ging in sein Haus und goss die sich darin befindlichen Alkoholika weg, so dass die Straßen von Madîna lange Zeit nach Alkohol rochen.

 

Der Glaube bewirkt, was die größten Länder nicht zustande brachten, obwohl sie dafür Milliarden ausgaben. Eines der größten Länder gab tausende Millionen von seinem Vermögen aus, um das Problem der Trinksucht zu lösen. Trotzdem sind seine Bemühungen gescheitert.


4. Der Glaube beseitigt und vermindert Sünden:

Eine Sünde beseitigt weder den Glauben noch verwirkt sie diesen, auch wenn sie ihn beeinflusst und schwächt. Der Glaube vermindert die Sünde und beseitigt diese. Ein Mann aus einer früheren Gemeinschaft war mit drei Freunden auf Reisen. Als es dunkel wurde, wollten sie übernachten. Sie gingen in eine Höhle in einem Berg, um darin die Nacht zu verbringen. Plötzlich rollte ein großer Felsbrocken hinunter und verschloss ihnen den Höhlenausgang. Sie sagten zueinander: “Nichts wird euch vor dieser schwierigen Situation retten, außer ihr sprecht zu Allâh unter Nennung eurer rechtschaffenen Handlungen Bittgebete!“ Der Erste sprach zu Allâh dem Hochmajestätischen unter Nennung seiner besten Handlungen Bittgebete, dann bewegte sich der Felsbrocken ein wenig zur Seite. Sie konnten jedoch nicht hinausgehen. Der Zweite sprach zu Allâh Bittgebete, dann bewegte sich der Felsbrocken ein wenig mehr zur Seite, aber sie konnten immer noch nicht hinausgehen. Der Dritte sagte: „O mein Herr! Du weißt, ich hatte eine Kusine väterlicherseits, die ich voll und ganz liebte. Sie gehörte zu den mir liebsten Menschen. Ich wollte mit ihr das machen, was ein Mann mit seiner Ehefrau macht, nämlich den Geschlechtsverkehr. Deshalb versuchte ich sie zu verführen. Jedoch weigerte sie sich. Es vergingen Jahre und sie verarmte sehr. Dann kam sie zu mir und verlangte von mir Geld. Ich gab ihr das Geld unter der Bedingung, dass sie meinem früheren Verlangen nachkommt, dass sie mich also ihr beischlafen lässt. Dann tat ich dies. Als ich mich ihrer bemächtigte, sagte sie zitternd: »O anbetend Dienender Allâhs! Fürchte Allâh! Nimm mir meine Unschuld nicht unrechtmäßig!«, das heißt, du darfst mich nur im Rahmen der erlaubten Ehe genießen! Ich stand von ihr auf, obwohl ich sie über alles liebte und überließ ihr das Geld, das ich ihr gegeben hatte. O Allâh! Wenn ich das um Deinetwillen gemacht habe, dann öffne für uns, worin wir uns befinden!“ Da barst der Felsbrocken auseinander und sie gingen hinaus.

 

So hinderte ihn der Glaube, das unmoralische Verhalten des außerehelichen Geschlechtsverkehrs auszuüben. Wenn ein Glaubender vorhat, eine Handlung, die Allâh den Hochmajestätischen erzürnt, zu begehen, erinnert er sich, dass Allâh der Makellose und Erhabene ihn sieht. Dann lässt er von dem ab, was Allâh den Hochmajestätischen erzürnt.

 

5. Ein Glaubender sucht seine Macht und Unterstützung bei Allâh:

 

Die Quraischiten kamen zu Abû Tâlib, dem Onkel des Propheten und beklagten sich bei ihm über den Gesandten, indem sie sagten: «O Abû Tâlib! Der Sohn deines Bruders erklärt uns für töricht, schmäht unsere Götter und trennt uns von unseren Kindern. Möchte dein Neffe Geld haben, sammeln wir für ihn das Geld, so dass er der Reichste unter uns wird. Will er Herrschaft, machen wir ihn zu unserem Führer. Leidet er an einer Krankheit, bringen wir ihm die besten Ärzte, bis er geheilt wird.» Der Gesandte entgegnete ihnen durch die Überzeugung des Gläubigen, der durch Allâh kräftig ist und sich der Verführung nicht unterwirft sowie auf seinen Glauben nicht verzichtet, wie auch verlockend der diesseitige Lohn aus sein mag: «Bei Allâh, o mein Onkel! Wenn sie die Sonne in meine Rechte und den Mond in meine Linke legten, damit ich diese Angelegenheit, nämlich den Islâm, aufgebe, gäbe ich sie doch nicht auf, bis Allâh ihr zum Sieg verhilft oder ich dabei zugrunde gehe.» (Ibn Hischâm).

 

Die Islâm-Leugner hoben für die Gläubigen große Gruben aus, zündeten darin Feuer an und warfen in diese die Gläubigen, die an ihren Herrn glaubten und sich diesem Glauben nicht abschworen, auch wenn der Preis dafür ihr Tod war. Der Erhabene sagt: „Getötet wurden die Gefährten des Grabens, des Feuers versehen mit Brennstoff, als sie an ihm Sitzende waren, und sie für das, was sie den Gläubigen angetan hatten, Zeuge waren. Und sie rächten sich an ihnen nur dafür, dass sie an Allâh glaubten, den Allmächtigen, den Lobenswürdigen.“ (Sûra 85:4).

 

Als der Pharao die Zauberer geholt hatte, damit sie Moses  Frieden sei auf ihm besiegen, fielen sie gegenüber Allâh ehrerbietig nieder, als sie das Wunder Allâhs und Seine Macht gesehen hatten: „Sie sagten: „Wir glauben an den Herrn der Weltenbewohner, den Herrn von Moses und Aaron.“ (Sûra 7:121-122). Da drohte ihnen der Pharao an, ihre Hände und Füße abzuhacken, weil sie an den Gott von Moses glaubten und nicht an den Pharao. Ihre Herzen waren aber vom Glauben erfüllt, der sie mit noch mehr Kraft und Gewissheit erfüllte, indem sie sagten: „Kein Schaden! Wir werden ganz gewiss zu unserem Herrn zurückkehren.“ (Sûra 26:50).

 

 

6. Der Glaube und die Prüfung:

 

Die Prüfung bildet eines der ehernen Gesetze Allâhs für Seine Schöpfung. Allâh der Makellose prüft die Leute durch Gutes und Böses, damit Er die wahrhaften Gläubigen von den lügenhaften Heuchlern sondert. Der Erhabene sagt: „Alif Lâm Mîm. Rechnen denn die Menschen damit, dass sie gelassen werden, dass sie sagen: "Wir glauben.", und sie werden nicht auf die Probe gestellt?! Und wir haben ja bereits diejenigen vor ihnen auf die Probe gestellt. So weiß Allâh ganz gewiss um diejenigen, die wahrhaft sind, und ER weiß ganz gewiss um die Lügner.“ (Sûra 29: 1-3).

 

Mus’ab ibn Sa’d berichtete von seinem Vater: „Ich fragte: »O Gesandter Allâhs! Welche Menschen haben die schwerste Prüfung?« Er erwiderte: »Die Propheten, dann die ihnen am Ähnlichsten, sodann die diesen am Ähnlichsten. Ein Mensch wird entsprechend seiner Religiosität geprüft. Ist seine Religiosität gefestigt, wird auch seine Prüfung härter. Ist seine Religiosität schwach, wird er entsprechend seiner Religiosität geprüft. Die Prüfung wird einen anbetend Dienenden so lange nicht verlassen, bis er ohne eine einzige Sünde auf Erden wandelt.«“ (Authentischer von At-Tirmidhî und ibn Mâdscha überlieferter Hadîth).

 

Chubaib ibn Adiy  möge Allah mit ihm zufrieden sein wurde von den Polytheisten gefangen genommen und sie nahmen ihn mit, um ihn zu kreuzigen. Er sagte ihnen: „Lasst mich zwei Rak’a verrichten!“ Sie ließen ihn, bis er zwei kurze Rak’a verrichtet hatte. Alsdann wandte er sich ihnen zu und sagte: „Bei Allâh! Wenn ihr keine Bedenken hättet, dass ich mich vor dem Tod fürchte, hätte ich mehr gebetet.“ Sie hoben ihn auf einen Holzbalken und banden ihn daran. Dann fragten ihn die Polytheisten: „O Chubaib! Liebst du es, dass Muhammad an deiner Stelle ist, während du unversehrt in deinem Hause bist?“ Er erwiderte: „Nein! Bei Allâh! Ich liebe es nicht einmal, dass er sich für mich dadurch aufopfert, indem sein Fuß von einem Dorn gestochen wird.“ Dann trug er folgende Verse eines Gedichts vor:

 

Es macht mir nichts aus, wenn ich als Muslim getötet werde,
in welcher Situation ich für Allâh um mein Leben auch ringe.
Ich zeige dem Feind weder Furcht noch Angst,
denn ich werde wahrhaftig zu Allâh zurückkehren.
Dies mache ich um Allâhs willen, und wenn Er will,
segnet er zerissene Gliedermaßen eines Körpers.

 

Sumaiya, ihr Ehemann und ihr Sohn wurden von den Polytheisten gepeingt. Der Gesandte kam an ihnen vorbei und sagte: „Habt Geduld, o Familie von Yâsir! Ihr werdet wahrhaftig ins Paradies als Belohnung dafür kommen!“ (Ibn Hischâm). Ein Glaubender hält also der Prüfung Allâhs des Hochmajestätischen stand und vertraut auf Ihn. Dies ist es, was Allâh von den Gläubigen verlangt, wenn Er der Erhabene sagt: „O ihr, die den Glauben verinnerlichen! Seid geduldig und haltet standhaft aus und sei kampfbereit! Und seid demütig in Ehrfurcht gegenüber Allâh, damit ihr vielleicht Erfolg habet!“ (Sûra 3:200).

 

Er sagte ferner: „Wie bewundernswert ist die Angelegenheit des Gläubigen! All seine Angelegenheiten sind gut für ihn. Das steht niemandem außer dem Gläubigen zu. Wenn ihn etwas Erfreuliches trifft und er Allâh dankt, dann ist das gut für ihn. Und wenn ihn etwas Unangenehmes trifft und er geduldig ist, dann ist das auch gut für ihn.“ (Muslim).

 

Der Glaube nimmt durch das unablässige Tun rechtschaffener Handlung zu und nimmt durch Sünde und Nachlässigkeit Allâh gegenüber ab. Der Erhabene sagt: „Die den Glauben Verinnerlichenden sind nun aber diejenigen, deren Herzen Furcht hegen, wenn Allâhs gedacht wird, und wenn ihnen Seine Verse rezitiert werden, sie sie an Glauben mehren; und auf ihren Herrn vertrauen sie.“ (Sûra 8:2).

 

Und Er sagt: „Diejenigen, zu denen die Menschen sprachen: „Wahrhaftig! Die Menschen haben sich bereits wider euch versammelt; fürchtet sie also!“ – sie wurden also stärker im Glauben, und sie sprachen: „Unsere Genüge ist Allâh und was für ein vorzüglicher beschützender Sachwalter!“ (Sûra 3:173).

 

Einst begegnete Hanzala ibn Ar-Rabî Abû Bakr  möge Allah mit ihm zufrieden sein und sagte: „Hanzala heuchelt!“ Abû Bakr sagte: «Makellos ist Allâh! Was sagst du?“ Hanzala entgegnete: „Wenn wir uns beim Gesandten Allâhs befinden, erinnert er uns an das Paradies und das Höllenfeuer, als ob wir diese mit eigenen Augen sähen. Wenn wir aber vom Gesandten Allâhs weggehen, schlafen wir den Ehefrauen bei, spielen mit den Kindern und interessieren uns für die Angelegenheit unseres diesseitigen Lebens.“ Da sagte Abû Bakr  möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Bei Allâh! Unsere Zustände ähneln wahrhaftig deinem Zustand!“ Daraufhin begaben sich Hanzala und Abû Bakr möge Allâh mit ihnen zufrieden sein zum Gesandten Allâhs. Dann sagte Hanzala zum Gesandten Allâhs: „Hanzala heuchelt, o Gesandter Allâhs!“ Der Gesandte fragte ihn nach dem Grund für seine Worte. Hanzala sagte dem Gesandten Allâhs die gleichen Worte, die er Abû Bakr gesagt hatte. Da lächelte der Gesandte und sagte: „Bei dem, in dessen Hand meine Seele ist! Wenn ihr in dem Zustand bleiben würdet, in dem ihr euch bei mir befindet, würden die Engel euch auf euren Betten und euren Wegen grüßen! Doch o Hanzala, Stunde um Stunde!“ Der Gesandte Allâhs wiederholte dies drei Mal. (Muslim).

 

Abû Ad-Dardâ  möge Allah mit ihm zufrieden sein pflegte zu sagen: „Zum guten Begreifen eines anbetend Dienenden gehört, dass er seinen Glauben erneuert und nachholt, was davon fehlt. Zum guten Begreifen eines anbetend Dienenden gehört auch, dass er weiß, ob sein Glaube zu- oder abnimmt.“

 

Für die Stärke im Glauben gibt es Gründe, wie das Wissen, das Praktizieren, das Nachdenken und andere. Die Mehrung des Wissens gilt also als ein Grund für die Stärke im Glauben. Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wir haben den Glauben gelernt. Und als wir dann den Qurân gelernt haben, wurden wir stärker im Glauben.“ Das Wissen um die Namen Allâhs des Hochmajestätischen und die Inhalte jedes Namens lassen zweifellos den Glauben eines Muslims zunehmen. Ebenso lässt das Wissen über die Biografie des Gesandten, dessen edle Charaktereigenschaften, sein Verhalten, seine Bemühung um die Religion und seine Anbetungshandlung den Glauben zunehmen und stärkt diesen. Allâh der Hochmajestätische lobt die Gelehrten an vielen Stellen im Qurân, indem er sagt: „... Sprich: Sind diejenigen, die wissen und diejenigen, die nicht wissen, gleich?“ (Sûra 39:9).

 

Gilt das Wissen als ein Grund für die Glaubenszunahme, gehört die Umsetzung in die Praxis auch zu den Gründen für die Glaubenszu- und abnahme. Wie also die rechtschaffene Handlung und der Gehorsam den Glauben stärken, schwächt das Verfallen in Sünden und Begierden den Glauben. Die Prophetengefährten strebten nach Stärke in ihrem Glauben. Umar etwa sagte zu den Leuten: „Kommt, wir stärken uns im Glauben!“ So gedachten sie Allâhs des Hochmajestätischen. Abdullâh ibn Rawâha pflegte die Hand eines seiner Gefährten zu ergreifen und zu sagen: „Komm, glauben wir ein Stündchen, indem wir uns einer Sitzung anschließen, in der Allâhs gedacht wird!“

In einem von Allâh dem Propheten eingegebenen Hadîth ist überliefert: „Ich erfülle die guten Erwartungen, die Mein anbetend Dienender in sich von Mir hat und Ich bin mit ihm, wenn er Meiner gedenkt: Wenn er in seinem Herzen Meiner gedenkt, dann gedenke Ich auch seiner bei Mir Selbst. Und wenn er Meiner in einer Versammlung gedenkt, so gedenke Ich auch seiner in einer Versammlung, die besser ist als jene.“ (Überliefert von Al-Buchârî und Muslim).

Zu den Gründen der Glaubenszunahme gehört das ständige Nachdenken über die Geschöpfe Allâhs des Hochmajestätischen. Ist es nicht so, dass dein Gefühl, wenn dir jemand von der Geschicklichkeit einer Person in einer bestimmten Berufstätigkeit erzählt, für diese Geschicklichkeit zunimmt, wenn du ein Beispiel seiner Berufstätigkeit mit eigenen Augen gesehen hast? Hast du mehrere Bespiele davon gesehen, wird dieses Gefühl noch stärker. Hast du diese hergestellten Sachen geprüft und genau beobachtet, steigt deine Überzeugung von dessen Geschicklichkeit und dem Wahrheitsgehalt dessen Worte.

 

Ferner ist die Macht Allâhs für alle in diesem geräumigen Universum klar und deutlich. So gibt es einen Himmel ohne sichtbare Stützen, Sterne und Planeten. Und in diese Erde legt man Samen, aus denen süße und saure Früchte wachsen. Dies lässt einen gläubigen Menschen, der ein gottesfürchtiges Herz hat, nur die Erhabenheit Allâhs und Seine einzigartige Leistung ausrufen, indem er sagt: „Er ist wahrhaftig Allâh der Allmächtige!"

 

Darüber hinaus gehören das Nachsinnen und das oftmalige Nachdenken über die Geschöpfe Allâhs des Hochmajestätischen zu den Eigenschaften der Gläubigen. Der Erhabene sagt: „... und nachsinnen über die Schöpfung der Himmel und der Erde...“ (Sûra 3:191).